Urlaub am Bodensee (Juli 2004)
Ganz richtig ist das nicht - die erste Hälfte des Urlaubs
bestand aus der Radtour von Karben zum Bodensee. Obwohl wir im Urlaub viel gemacht
und gesehen haben, brauchte ich noch etwas Beschäftigung und so habe ich
die unsere Tour und was wir dabei erlebt haben in Form eines Reisetagebuchs
notiert. Zu den einzelnen Tagen gelangt man direkt über die Karte.
Routenbeschreibung
Die Preise der Unterkünfte beziehen sich immer auf 2 Personen pro Nacht inkl. Frühstück. Die Adressen habe ich fast alle über Bett & Bike gefunden.
| technische Details | Unterkunft | ||
| 1. Tag: Karben - Oppenheim (17. Juli) | |||
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Länge |
94,5 km 15,84 km/h 120 m -13 m 22-35°C |
Adresse |
Armin Müller |
| Preis | 50 € | ||
| Bewertung |
4/5 |
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| 2. Tag: Oppenheim - Mannheim (18. Juli) | |||
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Länge |
64,02 km 14,65 km/h 96 m +26 m 24-42°C |
Adresse |
DJH Mannheim |
| Preis | 38,20 € | ||
| Bewertung | 2/5 grosses Zimmer, aber nicht sehr sauber, WC/Dusche auf dem Flur; mäßiges Frühstück |
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| 3. Tag: Mannheim - Karlsruhe (19. Juli) | |||
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Länge |
94,6 km 16,36 km/h 90 m +39 m 22-37°C |
Adresse |
Frank |
| Bewertung | 5/5 nichts geht über ein Bett bei Freunden ;-) | ||
| 4. Tag: Karlsruhe - Rheinau (20. Juli) | |||
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Länge |
83,56 km 15,82 km/h 123 m +20 m 20-32°C |
Adresse |
Landgasthof Ratz |
| Preis | 45 € | ||
| Bewertung | 4/5 großes Zimmer, gutes Frühstück, allerdings an einer Hauptstraße gelegen. | ||
| 5. Tag: Rheinau - Schwanau (21. Juli) | |||
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Länge |
54,5 km 15,86 km/h 50m +36 m 22-38°C |
Adresse |
Gästezimmer Gerlinde Zipf |
| Preis | 46 € | ||
| Bewertung | 5/5 großes Zimmer, gutes Frühstück | ||
| 6. Tag: Schwanau - Freiburg-Opfingen (22. Juli) | |||
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Länge |
82,91 km 17,18 km/h 171 m +86 m 22-38°C |
Adresse |
Gasthaus zur Tanne |
| Preis | 67 € | ||
| Bewertung | 3/5 großes Zimmer, sehr gutes Frühstück, allerdings an einer Hauptstraße gelegen und relativ teuer. | ||
| 7. Tag: Freiburg (Ruhetag) (23. Juli) | |||
| 8. Tag: Freiburg-Opfingen - Efringen-Krichen (24. Juli) | |||
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Länge |
72,15 km 19,43 km/h 105 m +39 m 20-30°C |
Adresse |
Gästehaus Hanke |
| Preis | 46 € | ||
| Bewertung | 5/5 sehr schönes Haus mit Wintergarten, Kühlschrank vorhanden, sehr gutes Frühstück und herzlicher Empfang | ||
| 9. Tag: Efringen-Kirchen - Laufenburg (25. Juli) | |||
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Länge |
78,18 km 17,30 km/h 268 m +103 m 18-39°C |
Adresse |
Gasthaus Engel |
| Preis | 50 € | ||
| Bewertung | 2/5 großes Zimmer, aber stark renovierungsbedürftig, roch zudem sehr stark, liegt direkt an einer Bundesstraße; sehr guter Bergkäse zum Frühstück | ||
| 10. Tag: Laufenburg - Stein am Rhein (26. Juli) | |||
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Länge |
81,62 km 16,75 km/h 421 m +103 m 19-27°C |
Adresse |
Jugendherberge Stein |
| Preis | 93 CHF (60 €) inkl. Abendessen | ||
| Bewertung | 3/5 Minizimmer, lautstarke Gäste, mäßiges Essen - nur das Müsli war gut. | ||
| 11. Tag: Stein am Rhein - Fischbach (27. Juli) | |||
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Länge |
49,92 km 17,75 km/h 127 m +8 m 16-25°C |
Adresse |
privat vermittelte Ferienwohnung |
| Preis | 20 € ohne Frühstück | ||
| Bewertung | 3/5 riesige Wohnung, aber kein Luxus | ||
| Summe | 755,96 km | Frankfurt - Bodensee | |
Tagebuch
Die Sachen sind gepackt und los geht's gegen 8 Uhr 30. Am Anfang
befinden wir uns auf bekanntem Terrain. Es geht an der Nidda entlang bis nach
Frankfurt. Die frankfurter Innenstadt erweist sich als klare Katastrophe für
Radfahrer. Es finden sich kaum Fahrradwege und von den Autofahrern findet man
beim Überqueren der Straße genausoviel Beachtung wie ein Wurm. Schließlich
entdecken wir die Skyline und überqueren den Main.
Das Wetter ist warm, aber schwül und immer wieder gibt es einen kleinen
Regenschauer. Etwas weiter am Main taucht ein erstes Hindernis auf: An einem
Stauwerk müssen wir über eine steile Treppe die Flußseite wechseln.
Mit den vollbelandenen Rädern nicht gerade ein Zuckerschlecken, aber zu
zweit ist das schnell geschafft. Kurz vor Mainz wird klar, dass die Tour länger
wird als ursprünglich geplant. Während Marie fleißig in die
Pedale tritt, schwinden meine Kräfte zusehens.
In Mainz erreichen wir endlich den Rhein, der uns die nächsten Tage nicht
von der Seite weichen wird und eine ideale Orientierungshilfe darstellt; dennoch
gibt es hin und wieder den Fall, dass unklar ist, welche Richtung wir einschlagen
müssen. Aber es finden sich immer hilfbereite Menschen, die einem weiterhelfen
und sei es der wackere Rentner, der zufällig in dieselbe Richtung fährt
und man ihm nur folgen soll (wenn man nicht vorher vom Rad kippt).
In Oppenheim ist die Unterkunft schnell gefunden. Es ist eine sehr große
Wohnung mit riesiegem Badezimmer, leider etwas laut. In dem nahegelegenen Stadtkern
findet man einige Restatrants. Nicht zu empfehlen ist das asiatische Restaurant
am Platz! Das Essen ist zwar akzeptabel, jedoch muß man seeehr viel Gedult
mitbringen (und dann bekommt man nicht unbedingt das, was man bestellt hat).
Nach dem Essen bestellen wir noch ein Espresso und Dessert. Nach 20 Minuten
kommt der Espresso, laut dem Kellner kommt das Dessert "gleich". Das
scheint bei ihm ein dehnbarer Begriff zu sein, denn nach weiteren 10 Minuten
ist immer noch nichts davon zu sehen und so verzichten wir auf den Nachtisch,
zahlen und gehen. Just in diesem Moment kommt ein heftiger Wind auf und es fängt
an zu regnen ...
Nach einem üppigen Frühstück geht es wieder los.
Es ist herrliches Wetter, da macht das Fahren so richtig Spaß! Von Oppenheim
bis Worms lassen wir den Rhein links liegen. In Worms angekommen machen wir
unsere Mittagspause und genießen am Rathausplatz als Dessert ein sehr
gutes Eis. Es geht weiter am Rhein entlang und kurz vor Mannheim muß wieder
die Seite gewechselt werden. Die Brücke kommt näher, doch wo fährt
man hinauf? Hinter der Brücke löst ein Schild das Rätzel: "Sieben
Treppen mußt Du gehen, bevor die andre Seite des Rheins Du kannst sehen
..." Die Brücke ist übrigens sehr zu empfehlen für jemanden,
der schon immer wissen wollte wie es ist, mit den Fahrrad mitten auf der Autobahn
zu fahren. Laut Karte sind wir fast am Ziel, doch die Odysee sollte erst beginnen.
Der Weg führt in das mannheimer Industriegebiet vorbei bzw. um eine Müllverbrennungsanlage
herum. Derweil zeigt die Sonne was in ihr steckt - das Thermometer steigt an
auf satte 42°C und Schatten wird zum Luxus. Schließlich gelangen wir
in die Stadt, überqueren den Fluß, doch halt! Die Jugendherberge
befindet sich rechtsrheinisch. Also wieder zurück und weiter am Fluß
entlang. Doch warum können wir unseren Standort auf dem Stadtplan nicht
ausmachen? Da dämmert's: In Mannheim trifft der Neckar auf den Rhein und
wir hatten den Neckar, also schon den richtigen Fluß überquert und
waren schon zu weit im Osten. Wir fahren wieder über den Neckar und finden
schließlich den Hauptbahnhof und dann dahinter die Jugendherberge.
Dort haben wir zwar unser eigenes Zimmer, ansonsten gibt's jedoch wenig für's
Geld. WC und Dusche sind auf dem Flur und eine Renovierung könnte nicht
schaden. Am Abend gehen wir noch einmal in die Stadt und kühlen unsere
Füße am Wasserturm und betrachten das wunderschöne Wasserspiel
in der Mitte des Brunnens.
Der Morgen beginnt wieder mit einer Rheinüberquerung. Heute
verlassen wir den Rhein jedoch nicht und bleiben den ganzen Tag an seiner Seite.
Die Strecke ist gut ausgeschildert, erkennbar an einem Schild mit gelben Radfahrer
umringt von den Eurosternchen auf blauem Hintergrund. Mittags kommen wir in
Speyer an und besorgen uns etwas Brot, Joghurt und Käse. Das erste Mal,
denn an den ersten zwei Tagen konnten wir uns immer Brote zum Frühstück
machen. Am Speyer Dom machen wir Rast und genießen unsere Sandwiches.
Nebenan steht ein kleiner Kiosk mit Sitzgelegenheit. Dort bekommt Marie einen
Espresso und ich ein Eis. Als wir wieder aufbrechen wollen, fragt ein älterer
Herr vom Nachbartisch, wohin die Reise geht. Unsere Antwort vernehmend erzählt
er uns, dass er von 12 Jahren in sechs Wochen allein von Freiburg über
Österreich bis nach Flensburg mit den Rad gefahren ist und dass dies sein
schönster Urlaub war (ob das seine Frau auch so sieht?).
Gut gelaunt geht die Fahrt weiter. Kurz vor Wörth fahren wir durch einen
Containerhafen, vorbei an Fahrzeugen, die die riesigen Container packen wie
Spielzeugautos und in einem irren Tempo einen Zug beladen, so dass man den Eindruck
hat in einem SciFi Film zu sein.
Wenig später trudeln wir in Karlsruhe ein - zwei Stunden vor dem vereinbarten
Termin mit Frank. Wir gönnen uns eine lange Pause, suchen ein Eiscafé
in der Nähe auf (was nicht ganz leicht zu finden ist) und gönnen uns
einen Eiscafé. Als wir dort sitzen, uns die Sonne auf den Pelz rieseln
lassen und ein wenig schmökern, meldet sich auf einmal eine Stimme: Frank
hat eher Schluß gemacht und dann auf gut Glück die Cafés in
der Nähe abgeklappert.
Am Abend gehen wir in der Karlsruher Innenstadt etwas essen und kommen erst
sehr spät ins Bett.
4. Tag: Karlsruhe - Rheinau (Helmingen)
Das Wetter ist an diesem Tag alles andere als freundlich. Es beginnt
mit Regen, Regen, Regen. Gegen 11 Uhr gibt es eine Pause, die wir ausnutzen,
um mit der Tagestour zu beginnen. Es geht gleich wieder über den Rhein
und dann nach Frankreich. Den Unterschied sieht man sofort. Lauterbourg ist
wirklich eine schöne kleine Stadt. Allerdings findet man sich als Fahradfahrer
schnell auf der Landstraße wieder, wo man sich neben LKW's und rasenden
PKW's nicht allzu wohl fühlt. Der Weg führt nah am Rhein entlang,
vorbei an - und manchmal auch durch - zahlreiche Kieswerke. Entgegen der Karte
kann man bei Iffezheim bereits bei einer zur Autobrücke umfunktionierten
Eisenbahnbrücke den Rhein überqueren. Das ist allerdings nicht sehr
angenehm, da man direkt auf der Fahrbahn fährt.
Am Nachmittag holt uns der Regen endgültig wieder ein und wir haben den
Eindruck direkt unter einer Dusche zu stehen. Nach einer halben Stunde läßt
der Regen allmählich nach und wir erreichen das Tagesziel. Der Empfang
ist freundlich und die Bedienung sehr zuvorkommend. Am Abend genießen
wir sogleich eine saisonale badische Spezialität: Pfifferlinge in den verschiedensten
Variationen. Während Marie sich für ein vegetarisches Gericht entscheidet,
wähle ich Pfifferlinge mit Straußensteak (nicht unbedingt eine sehr
alte Tradition).
Während wir das Essen genießen, werden wir auf einen Mann am Nachbartisch
aufmerksam, der offenbar Schwierigkeiten mit seiner Bestellung hat. Er ist laufend
am Suchen nach den passenden Wörtern in seinem kleinen Wörterbuch.
Marie erkennt sofort, dass es sich um ein französisches Wörterbuch
handelt und so kommen wir ins Gespräch. Während wir uns abstrampeln,
geht er wandern und erklärt uns im Detail, welche Vorteile ein GPS Navigationssystem
beim Wandern bringt.
Frohen Mutes starten wir früh mit dem Ziel, mittags in Straßbourg
einen Flammkuchen zu essen. Das Wetter ist herrlich und wir kommen schnell voran.
Wir erreichen Kehl bereits gegen 10 Uhr 30 - nur noch über den Rhein und
in die Innenstadt, dann ist Pause. Doch plötzlich ist der Weg versperrt
und für die Radfahrer ist eine Umleitung ausgeschildert. Dieser folgen
wir bis zu einer Fußgängerbrücke. Allerdings können wir
mit den Rädern nicht hinüber gelanden, denn Grund für die Absperrung
ist die Landesgartenschau. Also machen wir kehrt und folgen der Umleitung bzw.
der Umzäunung in der anderen Richtung, um die nächste Brücke
zu nehmen. Nach fünf bis sechs Kilometern sind wir endlich raus aus der
Umleitungsleier, leider auch aus Kehl und von einer Brücke nicht die Spur.
Nun haben wir bei der Hitze nicht mehr die Motivation wieder umzudrehen und
eine Brücke im Norden zu suchen und so bleiben wir kurzerhand diesseits
des Rheins und sparen uns den Schlenker auf die französische Seite, wodurch
die Tour kleiner als geplant ausfällt. Während der Mittagspause muß
ich feststellen, dass die Kamera die Reise in der Lenkertasche nicht spurlos
überstanden hat. Durch das ständige Gerüttel gibt es einige sehr
unschöne "Schleifspuren". Von da ab ist der Apparat zusätzlich
in eine Plastiktüte gehüllt.
Auf diese Weise kommen wir bereits gegen 14 Uhr 30 in Ottenheim an. Die Wirtin
der Frühstückspension ist freundlich und außer einem wiehernden
Pferd im Stall ist kein Lärm zu hören. Wir machen einen kleinen Spaziergang
durch den idyllischen Ort und frischen unsere Vorräte an Sonnencreme auf.
Am Abend geht's in den "Anker", wo es frische Pfifferlinge mit Knödeln
gibt. Es ist immer noch heiß, aber Marie weiß Abhilfe: Direkt neben
dem Gasthaus fließt ein Bächlein, in dem einige Kinder sich baden.
Wir finden ein Plätzchen, an dem wir unsere Beine ins kühle Naß
tauchen können. Das ist besser als jedes Eis!
6. Tag: Schwanau - Freiburg-Opfingen
Der Tag beginnt mit einem kleinen Umweg, da die ausgeschilderten
Routen nicht immern denen auf der Karte entsprechen. Bein Rhinau setzen wir
mit der (kostenlosen) Fähre über den Rhein, um dann auf der französischen
Seite den Rhein bis Mackolsheim zu begleiten. Leider gibt es keinen sehr schönen
Radweg (oder wir haben ihn nicht gefunden) und so fahren wir direkt an der,
wenn auch schwach befahrenen, Landstraße entlang. Wieder auf der deutschen
Seite geht es vorbei an Pflaumen- und Kirschplantagen. Ein paar davon verlaufen
sich sich in unsere Fahrradtascehn, ebenso ein paar Brombeeren. Bei Endigen
legen wir eine Mittagspause ein und futtern unsere Brötchen zusammen mit
den gefundenen Früchten, die herrlich erfrischend schmecken.
Nach dem Essen entscheiden wir uns die Tour abzukürzen und biegen bei Riegel
direkt nach Süden ab. Einziger Wermutstropfen ist, dass uns am Ende der
Tagestour ein kleiner Hügel von ca. 100m Höhe überwunden werden
muß. Doch gegen 16 Uhr ist auch das geschafft und wir kommen am Gasthaus
in Opfingen an. Leider ist niemand da, der uns öffnet und so setzen wir
uns auf die Terasse eines nahegelegenen Cafés und gönnen uns einen
Espresso bzw. ein Eis. Eine Stunde später kommt die Wirtin und wir können
unsere Sachen abladen. Das Zimmer ist okay, zumal es ein zweites Fenster zum
Hof hin gibt. Das Frühstück ist sehr gut, hier gibt es auch Obst!
Allerdings ist dies auch die mit Abstand teuerste Herberge auf unserer gesamten
Tour. Am Abend essen wir ebenfalls dort. Man sitzt im Innenhof recht gemütlich
und das Esses ist zwar teuer, aber gut.
Gleich vom ersten Tag unser Tour an machten sich die Speichen
meines Hinterrades durch häufiges knarren und ächzen bemerkbar. Im
Laufe der Zeit eierte das Hinterrad immer mehr, bis es am Vorabend kontinuierlich
gegen den Dynamo und die Bremse scheuerte. Früh am Morgen treffe ich auf
einen Küchengehilfen, der mir die ungefähre Adresse eines kleinen
Fahrradhändlers im Ort nennt. Dieser jedoch, so scheint es, ist recht unbekannt,
denn nicht einmal der Postbote kennt ihn. Trotzdem gelingt es uns ihn zu finden:
Ein kleines Schild am Gartenzaun zeigt an, dass dieser montags und freitags
von 17 bis 19 Uhr uns samstags von 8 bis 12 Uhr geöffnet hat - oje, es
ist freitag morgen ...
Kurzer Hand spreche ich einen älteren Herren auf dem Hof daraufhin an.
In seinen Augen flammt gleich Interesse auf: "Was ist denn das Problem?"
Nach kurzer Schilderung der Lage erklärt er sich bereit das hinterrad gleich
zu zentrieren. Nach etwa 20 Minuten sind die Speichen wieder fest, das Rad bis
auf 1/10tel Millimeter genau justiert und die Bremse/Dynamo wieder korrekt eingestellt.
Nebenbei hatten wir noch eine nette Unterhaltung. Es kommt heraus, dass der
rüstige Herr Rentner ist und privat sehr viel Fahrrad fährt. Ferner
betreut er Jugendgruppen und macht mit ihnen mal eben eine Tagestour von 160
km über diverse Alpenpässe (allerdings mit Rennrädern und ohne
Gepäck). Der Preis für das Zentrieren: 4€ - ich gebe ihm fünf
und wir verabschieden uns. Wer mal Hilfe in der Gegend benötigt sollte
nach Herrn Wagner in Freiburg Opfingen fragen. Die Werkstatt ist in der Nähe
des Tennisplatzes, ich glaube das ist im Hugstmattweg.
Danach geht es mit dem Bus nach Freiburg. Man findet sich mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln gut zurecht. (nicht zu vergleichen mit Frankfurt). Die freiburger
Innenstadt ist sehr schön; es ist gerade Markt und es herrscht wildes Treiben.
Direkt an der Innenstadt führt ein Weg hinauf auf den Schloßberg.
Von dort hat man einen schönen Blick auf die gesamte Stadt. Einen schönen
Überblick über den Münsterplatz hat man übrigens vom Balkon
eines Eiscafés am Platz aus. An diesem Tag ist das Wetter sehr heiß
und schwül und daher kehren wir bereits früh am Nachmittag fix und
fertig nach Opfingen zurück.
Am Abend versuchen wir ein anderes Restaurant, dass wir bei einem Bäcker
in der Nähe der Unterkunft finden. Das Café/Restaurant ist schlicht,
aber von der Terasse aus hat man einen herrlichen Blick auf den Schwarzwald
und das Essen ist gut und günstig.
8. Tag: Freiburg-Opfingen - Efringen-Krichen
Beim Frühstück sitzen am Nachbartisch vier weitere Radfahrer,
die wir beiläufig wahrnehmen. Wir genießen die frühe Stärkung
und machen uns wie gewohnt gegen 9 Uhr auf den Weg. Zunächst heißt
es wieder zum Rhein zu gelangen. Bereits eine Stunde später sind wir in
Breisach und halten an einem Café. Wie so oft gibt es einen Kaffee für
Marie und für mich ein Eis. Die ersten vier Postkarten werden geschrieben
und dann geht es wieder weiter am Rhein entlang. Bei Neuenburg machen wir einen
Abstecher in die Innenstadt, um uns Brot und Beleg für das Mittagessen
zu besorgen. Beim Metzger finde ich sogar etwas Karottensalat, was etwas Abwechslung
bringt. Wieder am Rhein angelangt sehen wir vier Radfahrer im Gras sitzen ...
mir dämmert's: Sind das nicht die vier vom Frühstück? Bei der
nächsten Sitzbank angelangt machen wir ebenfalls Halt. Dabei bekommen wir
Besuch von ein paar Wespen, angelockt von dem Müll, der hier überall
herumliegt. Warum ist es nur für einige so schwer, die paar Meter zum Mülleimer
zu laufen? Beim Dessert angekommen fahren die vier Radler an uns mit einem Lächeln
auf den Lippen vorbei. Fünf bis zehn Minuten später haben auch wir
unsere Pause beendet und uns packt der Ehrgeiz: Die holen wir uns! So angespornt
hauen wir in die Pedale. Mein Puls geht auf 150 zu und ich mache mir Sorgen
um einen drohenden Muskelkater. Aber die Devise lautet: Nicht unter 22 km/h!
Das Fahren wird schwerer, da der Boden etwas aufgeweicht ist. Scheinbar hat
es vor kurzem geregnet, aber wir halten die Geschwindigkeit und legen noch etwas
zu! Bereits nach 45 Minuten haben wir die Gruppe eingeholt und das, obwohl sie
kaum Gepäck dabei haben. Ein kurzer Gruß und wir sind vorbei.
Gegen 16 Ihr erreichen wir unser Ziel. Uns beherbergt ein Rentnerpaar in einem
idyllischen Fachwerkhaus. Man hat fast den Eindruck, in einem Puppenhaus unterzukommen.
Am Nachmittag muß es wirklich stark geregnet haben, denn die beiden können
kaum glauben, dass wir trocken geblieben sind. Wir setzen uns in den Wintergarten,
lesen und schreiben etwas; Marie hat sich einen Kaffee gemacht. Abends setzen
wir uns in den Pavillon und leeren bei Kerzenlich eine Flasche Spätburgunder
aus der Region.
9. Tag: Efringen-Kirchen - Laufenburg
Das Frühstück ist gut. Für die Radfahrer gibt es
sogar eine Banane, einen Müslirigel und extra viel Brötchen mit Frühstücksbeuteln
für den Transport, alles wirklich sehr liebevoll.
Erstes Ziel an diesem Tag ist es, durch das Baseler Stadtgebiet zu kommen. Doch
dies ist leichter gesagt als getan. Die Fahrradrouten führen direkt nach
Basel und somit in die Schweiz hinein. Also wenden wir die bewährte Methode
an: den Rhein auf keinen Fall überqueren und immer irgendwie am Fluß
entlang. Von Weil am Rhein gelangen wir nach Riehen (Schweiz). Nahe der Grenze
treffen wir die vier Radler wieder. Es stellt sich heraus, dass wir fast dasselbe
Ziel haben. Während wir bis Laufenburg fahrenm, wollen die vier in Bad
Säckingen übernachten. Unsere Wege trennen sich wieder; wir bleiben
am Rhein, die anderen entscheiden sich, über Lörrach zu fahren.
Wir treffen auf einen schönen Radweg, der zwar einen kleinen Umweg bedeutet,
aber durchs Grüne führt. Schließlich tauscht das Ufer vor uns
auf und von nun an ostwärts. Mittags rasten wir direkt am Rhein auf einem
ausgetrockneten Flußbett. Die Aussicht ist herrlich.
Am Nachmittag wird es wieder sehr warm und so machen wir kurz vorm Ziel bei
Bad Säckingen eine kleine Pause. Durch Zufall sehe ich die vier Radler
wieder, allerdings ergibt sich diesmal keine Gelegenheit zum Gruß.
Wieder auf den Rädern erreichen wir kurze Zeit später Laufenburg.
Eine kleine, aber sehr schöne Stadt. Faszinierend ist, dass eine sich Stadthälfte
auf der Schweizer Seite und eine auf der Deutschen befindet, getrennt von einer
kleinen Fußgängerbrücke mit einem Grenzposten. Zwar nehmen wir
uns vor die Stadt noch zu besichtigen sobald wir unsere Unterkunft erreicht
haben, doch daraus sollte nichts werden.
Unser Gasthof ist im östlichen Ortsteil Luttingen und so fahren wir wieder
weiter. Es zeigt sich, dass Luttingen locker sechs Kilometer vom Ortsker entfernt
ist. Dort angekommen sehen wir, dass das Haus direkt an der stark befahrenen
Bundesstraße liegt. Ein älterer Herr empfängt uns, doch als
er uns das Zimmer zeigen will, klingelt das Telefon. Vom zuhören bekomme
ich mit, dass sich vier weitere Personen aus Bad Säckingen anmelden. Schließlich
können wir das Zimmer beziehen, doch die Lokalitäten sind ernüchternd:
Das Zimmer liegt zur Straße hin, ist seit locker 20 Jahren nicht renoviert
worden und richt penetrant nach einem Duftstoff, der wohl den Geruch nach Rauch
verdrängen soll. Selbst stundenlanges Lüften schafft kaum abhilfe.
Das Badezimmer hingegen ist von einem "zarten" Zitronenduft erfüllt,
so dass ich beim Einatmen den Eindruck habe, dass sich soeben mein Geruchssinn
verabschiedet hat.
Obwohl es erst 16 Uhr ist, sind wir so ziemlich geschafft. Nachdem wir geduscht
sind, machen wir noch einen kleinen Rundgang. Als wir wieder zurückkommen
gibt es eine kleine Überraschung. Auf der Terasse des Gasthofs sitzen zwei
der vier Radler, die uns bereits mehrfach über den Weg gelaufen sind! Wir
setzen uns dazu. Es kommt heraus, dass es in Bad Säckingen keine freien
Zimmer mehr gab - gut, wenn man im voraus reserviert. Die zwei erzählen
uns, sie kämen aus dem Siegerland, die Tour jedoch erst in Freiburg begonnen
hätten. Genauso wie wir hätten sie vor bis zum Bodensee, genauer bis
Meersburg, zu fahren, jedoch planen sie dafür einen Tag mehr ein als wir.
Es kommt zum Austausch der groben Urlaubsadresse (wir wissen noch nicht genau,
wo unsere Unterkunft ist und die vier wissen nur den Namen ihres Gasthofs),
doch leider kommt es am Bodensee zu keinem weiteren Wiedersehen.
10. Tag: Laufenburg - Stein am Rhein
Das Frühstück ist gut, vorallem der Käse, ein herber
Bergkäse, der einiges wieder wett macht. Als wir uns gegen 9 Uhr aufbrechen,
sitzen die vier gerade beim Frühstück. Der Tag verspricht einiges.
Laut Plan seht uns eine der größsten Touren bevor, außerdem
haben wir seit Freiburg immer mehr Steigungen auf der Route gehabt. Wir nehmen
uns also vor, von Anfang an ein gutes Tempo vorzulegen, bevor es dann mittags
wieder heiß wird. Zwischendurch wechseln wir auf die schweitzer Seite
des Rheins und fahren einige Kilometer durch den Wald auf einem sehr schmalen
Schotterweg. Im Laufe des Tages überqueren wir sooft die deutsch/schweizerische
Grenze (bestimmt acht oder neun mal), dass wir teils nicht mehr wissen, in welchem
Land wir gerade sind.
Bei Neuhausen lassen wir uns die Gelegenheit nicht nehmen und machen einen Abstecher
zum Rheinfall. Dort gelangt man überraschend gut mit dem Fahrrad hin, um
wieder wegzukommen, muß man dann allerdings kräftig in die Pedale
treten. Dies ist der ideale Zeitpunkt für eine Kaffeepause und ein paar
Postkarten. Ich nutze die Gelegenheit und mache ein paar Photos. Allerdings
finde ich den ich den Ausblick weiter oben, der Route folgend, am Straßenrand
fast noch schöner, da man hier auch den oberen Teil des Wasserfalls sehen
kann. Im Anschluß gehr es rasch weiter, denn wir sind noch nicht am Ziel.
In den vergangenen Tagen waren die Touren generell 10 bis 15% länger als
geplant und für heute stehen laut Plan 83 km an und wir haben erst knapp
60 km hinter uns und es ist bereits früher Nachmittag! Bei Schaffhausen
tauchen die ersten Schilder auf, auf denen die Entfernung nach Stein notiert
sind. Die Überraschung ist groß, denn dort werden gerade mal 20 km
angegeben. Kann es sein, dass die Schätzung - das erste Mal auf der ganzen
Tour - exakt ist? Wir schenken dem keine Beachtung und fahren munter weiter.
Wie am Vortag erreichen wir gegen 16 Uhr den Zielort, nun muß nur noch
die Jugendherberge gefunden werden ... ups, da war sie schon, kurz hinter dem
Ortsschild. All unseren Befürchtungen zum trotz kommen wir zu früh
an, die Rezeption ögffnet erst um 17 Uhr. So setzen wir uns an einen Tisch
und schreiben noch ein paar Postkarten. Als die Rezeption dann öffnet bekommen
wir ein eigenes, jedoch sehr kleines Zimmer. Die Nacht ist etwas unruhig, da
gegen 20 Uhr noch eine lautstarke Gruppe ankommt, die trotz Beschwerden bis
tief in die Nacht palabert.
11. Tag: Stein am Rhein - Fischbach
Auch an diesem Morgen werden wir von der Sonne geweckt. Die Tour
heute wird kurz, da unser Ziel nur noch 50 km entfernt liegt. Wie gewohnt geht
es gegen 9 Uhr los in Richtung Konstanz. Dort angekommen fällt es uns erstaunlich
leicht, uns zurrechtzufinden. Die Fahrradwege sind reichlich vorhanden und sehr
gut ausgeschildert. Wir durchqueren die Stadt und nehmen die Fähre nach
Meersburg. Auf der anderen Seite fahren wir am Bodensee entlang. Die Strecke
ist schön, jedoch gibt es jede Menge Fußgänger und andere Radfahrer.
Kurz nach Mittag treffen in Fischbach bei Bekannten ein. Nachdem uns unsere
Bekannte die wichtigsten Gegebenheiten Vorort gezeigt hat, geht es zu unserem
Feriendomizil. Eine Wohnung bei einem alten Bauern. Diese ist zwar nicht absolut
sauber und hochmodern, jedoch riesengroß und sehr günstig. Wir machen
es uns gemütlich und bereiten uns auf den geruhsamen Teil des Urlaubs vor.
Die Tour ist geschafft!
Insgesamt haben wir 10 Tage auf dem Drahtesel gesessen und dabei 750 km zurückgelegt,
laut Karte hatte ich 675 km geplant.. In dieser Zeit hatten wir weder einen
Platten noch einen Muskelkater. Hier hat wahrscheinlich das Training an den
Wochenenden zuvor geholfen sowie die Magnesiumtabletten, die wir täglich
genommen haben. Während es am anfang nur langsam voran ging, haben wir
förmlich gespürt, wie sich nach wenigen Tagen unsere Kondition deutlich
verbessert hat. Kurzum, es hat sehr viel Spaß gemacht.
Übrigens habe ich beim Surfen noch eine schöne Beschreibung der Rheinroute gefunden, allerdings in umgekehrter Richtung von der Quelle zur Mündung: http://www.aberhallo.de/lexikon/index.php/Rhein
Die nächsten Tage
Am Bodensee hatten wir noch 10 Tage, die wir genutzt haben, uns
möglichst viel von der Gegend anzusehen. Dabei haben wir uns eine Bodensee
Erlebniskarte für sieben Tage besorgt. Auf dem Programm standen die Insel
Mainau, Lindau, Bregenz, Konstanz, Friedrichshafen und Meersburg. Besonders
schön war Lindau und der Ausblick, den man vom Pfänder hat - nur leider
war es ein wenig zu warm. Bei den Ausflügen haben wir fast immer das Rad
genutzt. Man glaubt ja gar nicht, was es ausmacht, wenn man ohne Gepäck
unterwegs ist. Am Samstag haben wir dann mit ein paar Bekannten eine Radtour
entlang am schweizer Ufer gemacht.
An einem Tag hatten wir uns ein Kanu gemietet und sind damit am Bodensee entlang
gefahren (Friedrichshafen bis Immenstaad und zurück). Besonders erstaunt
hat mich der Anblick der zahlreichen Enten, die am Ufer entlangschwimmen. So
etwas sieht man am Meer nicht.
Resümee: In den drei Wochen haben wir alles in allem 1090 Kilometer auf den Drahtesel zurückgelegt und ich habe in der Zeit zweieinhalb Bücher mit insgesamt 1600 Seiten gelesen. Auf einen Fernseher konnten wir ganz verzichten.